Hund, Katz’, Pferd oder Schlange begleiten uns über Jahre hinweg. So werden aus gemeinsamen Tagen Erinnerungen und aus kleinen Ritualen ein wichtiger Teil unseres Lebens. Kurzum: Sie werden zu unserer Familie. Für viele liegt daher der Gedanke nahe, diese tiefe Verbundenheit auch über den Tod hinaus zu bewahren und eines Tages gemeinsam bestattet zu werden. In Österreich gibt es mittlerweile spezielle Beisetzungsorte, die genau diesem Bedürfnis Raum geben und eine gemeinsame letzte Ruhestätte für Mensch und Tier ermöglichen. Einen ganz besonderen dieser Orte möchten wir in diesem Blogbeitrag vorstellen.
Franziskus Urnenhain: Ein Friedhof für Mensch und Tier in Österreich
Wie entstand der Franziskus Urnenhain?
Die Idee für den Franziskus Urnenhain entstand aus einem Wunsch, mit dem sich Tierbesitzer:innen immer wieder an Eduard und Renate Reininger wandten. Nachdem die beiden das Tierkrematorium Lebring gegründet, viele Jahre geführt und schließlich an uns, Christina und Christian Pusnik, als nächste Generation übergeben hatten, beschäftigte vor allem ältere Tierbesitzer eine Frage: Was würde mit der Asche ihres geliebten Tieres geschehen, wenn sie selbst eines Tages nicht mehr da wären? Wer würde sie aufbewahren? Und könnte es nicht einen Ort geben, an dem Mensch und Tier schließlich wieder vereint sein können?
Aus dieser Sorge entwickelte sich die Idee, einen Ort für die gemeinsame letzte Ruhe zu schaffen. Bis daraus Wirklichkeit wurde, brauchte es die Überwindung einiger bürokratischer Hürden und viel Überzeugungsarbeit. 2015 war es schließlich so weit: Der Franziskus Urnenhain wurde eröffnet und kirchlich gesegnet – als damals erster Beisetzungsort für Mensch und Tier in Österreich. Damit entstand eine besondere Alternative zum klassischen Friedhof oder Tierfriedhof: ein Ort, an dem Menschen gemeinsam mit ihren geliebten Tieren ihre letzte Ruhestätte finden können.
Wie sieht der Franziskus Urnenhain aus?
Wer nach einem Friedhof für Mensch und Tier oder einem Tierfriedhof in Österreich sucht, stellt sich darunter vielleicht zunächst einen klassischen Friedhof mit Grabsteinen und einzelnen Grabstätten vor. Der Franziskus Urnenhain geht bewusst einen anderen Weg.
Die Grabstellen liegen in einem naturbelassenen Buchenwald. Zwischen hohen Bäumen, Waldboden und dem Wechsel der Jahreszeiten finden Menschen und ihre Tiere hier gemeinsam ihre letzte Ruhe. Für Eduard Reininger passt gerade diese Natürlichkeit zum Gedanken hinter dem Urnenhain: Wir sind Teil der Natur und dürfen eines Tages zu ihr zurückkehren – im Kreise jener, die uns im Leben begleitet haben.
“Ein naturbelassener Buchenwald, in dem wir als Wesen der Natur wieder zu dieser zurückkehren können – im Kreise all unserer vorausgegangenen Lieben auf zwei und vier Beinen. Oder gar keinen, denn immerhin ruht bei uns auch die eine oder andere Schlange.” – Eduard Reininger
Welche Tierarten können hier bestattet werden?
Ob auf zwei oder vier Beinen, mit Fell, Federn oder Schuppen: Eine Einschränkung bei der Tierart gibt es nicht. Hunde und Katzen finden hier ebenso ihren Platz wie Kaninchen und andere Kleintiere. Auch große Tiere wie Pferde, Ponys, Lamas oder Schweine sowie Reptilien und andere ungewöhnlichere tierische Familienmitglieder wie Geckos, Schlangen oder Spinnen können gemeinsam mit ihren Menschen zur letzten Ruhe gebettet werden.
Möglich ist diese Vielfalt, weil nicht der Tierkörper selbst beigesetzt wird, sondern die Asche des Tieres in einer Urne. So kann die gemeinsame Grabstätte tatsächlich ein Platz für die ganze Familie sein – ganz unabhängig davon, welche tierischen Begleiter im Laufe eines Lebens zu ihr gehört haben.
Wie lange besteht eine Grabstelle und wie darf sie gestaltet werden?
Eine Grabstätte ist für 30 Jahre nach der letzten Beisetzung innerhalb des jeweiligen Grabes für dessen Besitzer:innen vorgesehen. Soll die Ruhestätte später um weitere Familienmitglieder oder Tiere ergänzt werden, kann sie entsprechend erweitert werden. Damit Angehörige die Grabstelle leicht wiederfinden, erhalten Besitzer:innen einen Stein mit einer zugehörigen Baumnummer.
Auf üppigen Grabschmuck wird bewusst verzichtet. Denn der Franziskus-Urnenhain ist nicht nur eine Begräbnisstätte, sondern auch ein echter Lebensraum für Wildtiere.
„In unserem Wald gibt es natürlich Wild und Rehe. Daher muss sichergestellt werden, dass keine potenziell giftigen Blumen auf den Gräbern stehen und von den Tieren gefressen werden können. Das ist dem Förster ein großes Anliegen – aber als Tierfreunden natürlich auch uns”, erklärt Eduard Reininger.
Auf Blumenschmuck und Wachskerzen muss deshalb verzichtet werden, LED-Kerzen sind jedoch möglich. Viel zusätzliche Gestaltung braucht es an diesem besonderen Ort ohnehin nicht: Den Rest übernehmen der Wald und die Jahreszeiten.
Wie läuft die Beisetzung von Mensch und Tier ab?
Bei der Beisetzung selbst steht der persönliche Abschied im Mittelpunkt. Die Bestattung der menschlichen Familienmitglieder erfolgt über ein Bestattungsunternehmen, das für die Beisetzung mit Familie Reininger als Betreiberin des Urnenhains zusammenarbeitet. Um die Beisetzung der Tiere kümmern sich Familie Reininger und auf Wunsch wir vom Tierkrematorium Lebring persönlich. Die Asche wird dabei in einer biologisch abbaubaren Urne in die Grabstätte eingebracht.
Wie dieser Moment gestaltet wird, dürfen die Angehörigen selbst entscheiden. Sie können bei der Beisetzung dabei sein, alleine Abschied nehmen oder gemeinsam mit Familie und Freund:innen kommen. Ob dabei persönliche Worte gesprochen werden oder man lieber in aller Stille Abschied nimmt, bleibt ganz den Hinterbliebenen überlassen. Ein Anruf bei Eduard Reininger genügt – alles Weitere wird in einem persönlichen Gespräch erörtert.
Kann ein Tier beigesetzt werden, dessen Urne bereits längere Zeit in seinem Zuhause aufbewahrt wurde?
Ja. Auch wer die Asche seines Tieres bereits zu Hause aufbewahrt, kann sich später noch für eine Beisetzung im Franziskus Urnenhain entscheiden. Eine nachträgliche Einbringung ist problemlos möglich. Ein Anruf genügt, und Familie Reininger kümmert sich gemeinsam mit den Beteiligten um alles Weitere.
Wie würde Familie Reininger den Franziskus Urnenhain beschreiben?
Der Franziskus Urnenhain greift einen sehr persönlichen Wunsch auf und gibt ihm einen würdevollen Rahmen: Einen Ort, an dem die besondere Verbindung zwischen Mensch und Tier auch über den Tod hinaus ihren Platz behält und Familien weiterhin beieinander sein können. Eduard Reininger bringt die Haltung dahinter mit drei Worten auf den Punkt:
„Persönlich, würdevoll und naturnah.“


